Liebesbekundung

Seine Worte quellen über weiche, roséfarbene Lippen. Die Falten, die sich sonst markant, wie strenge Klammern um seine Mundwinkel graben, sind verebbt. Der Ausdruck seines Gesichtes ist der vollkommener Ruhe, wie auch seine Stimme, die sich in das Rauschen des Waldes einfügt, als wäre sie ein Teil des herbstlichen Sterbens und der Vorbote des Regens. Das kleine Grübchen, dass nun seine linke Wange akzentuiert, wird von bleichen Lippen weggeküsst. Er spürt wie die trockene Haut über die seine kratzt und weiß in diesem Moment von keinem angenehmeren Gefühl. Er dreht den Kopf, so dass seine Lippen die des Gegenübers umschließen. Augen von der Farbe karibischen Meeres sehen ihn an und er versinkt. Die Lippen lösen sich von den seinen, ein schüchternes Lächeln verzieht das Gesicht, leicht graben sich Falten um die blendenden Augen. Er wird gebeten weiterzusprechen. Er weiß nicht mehr, wo er stehen geblieben ist, eigentlich weiß er auch nicht mehr, mit was er angefangen hat und er beginnt von damals zu erzählen, als die Welt noch weh tat – gestern zum Beispiel. Und der Mensch neben ihm scheint sich in seinen Worten einzurollen, sie einzuatmen. Die Nase des Menschen liegt an seiner Wange und er spürt, wie dieser seinen Duft einzieht und ihn voll und ganz aufnimmt. Ihn: in Wort, Berührung und Geruch. Die Träne, die aus seinem Augenwinkel fließt, vom Hinaufsehen in den hellen Himmel, verteilt sich am Nasenrücken des anderen. Wie wohl seine Träne riecht, fragt er sich. Und da löst sich der Mensch, der Nasenrücken, und die trockenen Lippen nehmen wie rissiger Wüstenboden durstig das wenige Nass auf. Wie wohl seine Träne schmeckt, fragt er sich und er spürt, wie die Lippen an seiner Wange sich wieder zu einem Lächeln verziehen. Und für diese wenigen Sekunden spürt er wie sie in die Ewigkeit eingehen. Und dann kommt das Brennen auf der Haut. Das Lächeln gefriert, löst sich jedoch nicht von seiner Wange. Haut schlägt Blasen und nicht er noch der andere spüren den Schmerz, den die Strahlung auszulösen vermag, wenn sie in alle Poren dringt und jede Zelle, jedes Atom sprengt.

Wer hören und nicht lesen möchte, möge sich hier einfinden:

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